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So arbeitet die Redaktion der Allgäuer Zeitung in Zeiten des Coronavirus

Die Corona-Epidemie ist auch für uns in der Redaktion der Allgäuer Zeitung ein Stresstest. Was wir tun, um unsere Leserinnen und Leser bestmöglich zu informieren.

Als die ersten Spender mit Desinfektionsmittel aufgestellt wurden in den Gängen des Allgäuer Zeitungsverlags, da war dieses Virus noch weit weg. Wir begrüßten uns mit Handschlag vor den Konferenzen. Wir gingen zusammen in die Mittagspause, essen im Betriebsrestaurant mit Kollegen aus anderen Abteilungen und externen Gästen.

Wer hustete, wurde schmunzelnd gefragt, ob er sich jetzt auch dieses Corona eingefangen habe – “dieses Corona” war vor allem ein Problem für China oder andere Länder. Schlimm natürlich für die Betroffenen. Aber wir Journalisten blickten mit professioneller Gelassenheit auf die Lage. Wie wir es immer gemacht haben.

Gut zwei Wochen ist das her, seitdem hat sich viel geändert. Die Spender mit den Hygienemitteln leeren sich inzwischen ziemlich schnell in den Gängen. Die Türklinken im Haus werden mehrmals täglich gründlich desinfiziert. Die Redaktionskonferenzen haben wir durch Absprachen am Telefon ersetzt. Ein Rädchen greift ins andere.

Corona-Ticker beherrschen die Nachrichtenseiten im Internet

Corona-Ticker beherrschen jetzt die Nachrichtenseiten im Internet, auch bei uns auf allgaeu.life (künftig allgäuer-zeitung.de). Und das Interesse unserer Leser an Informationen zur Epidemie ist enorm. 100.000 Zugriffe und mehr verzeichnen wir pro Tag auf unserem Newsblog zur Corona-Situation im Allgäu. Auch die Zahl der Menschen, die uns bei Facebook folgen, steigt in den vergangenen Wochen deutlich an. 

Natürlich sind wir Redakteurinnen und Redakteure der Allgäuer Zeitung uns dieser Verantwortung bewusst. Und trotzdem erleben auch wir momentan eine Gratwanderung. Wir wollen nur verfizierte Fakten veröffentlichen. Aber das ist nicht einfach, wenn selbst Fachleute nicht genau wissen, woran sie eigentlich sind. Das neuartige Coronavirus ist eben neuartig, genau das ist das Problem, auch für uns professionelle Nachrichtenhändler. Umso genauer nehmen wir es damit zu schreiben, was wir wissen und was (noch) nicht. 

Schnelligkeit ist wichtig, Gründlichkeit noch wichtiger

Wir wollen in unseren Digitalkanälen zeitnah über neue Entwicklungen berichten. Doch dabei darf die Schnelligkeit niemals zu Lasten der Genauigkeiten gehen. Und: Wir möchten umfassend berichten, über gute Nachrichten in Sachen Coronavirus ebenso wie über die weniger guten. Panikmache wird uns dann bisweilen vorgeworfen. Wir müssen das hinnehmen, auch wenn es nicht stimmt.   

Wie kommen wir eigentlich zu den Informationen, die wir sammeln, auswerten, gewichten und hinterfragen, um sie dann in der Zeitung und im Internet zu veröffentlichen?

Da sind zum einen die offiziellen Quellen. Gesundheitsämter, Landratsämter, Städte, das in Gesundheitsfragen in Deutschland federführende Robert Koch-Institut (RKI), und das bayerische Landesamt für Gesundheit (LGL) sind für uns erste Anlaufstellen, wenn wir gesicherte Fakten zusammentragen. Diese Stellen veröffentlichen regelmäßig von sich aus neue Erkenntnisse, teilweise fragen wir diese auch gezielt ab. Dazu kommen die Nachrichtenagenturen, die wir jederzeit im Blick haben, und Experten, die wir bei Fachfragen direkt kontaktieren. 

Dazu kommen unsere gut 70 Kolleginnen und Kollegen in den Lokalredaktionen und in den verschiedenen Ressorts. Sie sind in den Dörfern und Städten im Allgäu und darüber hinaus bestens vernetzt. Sie fahren zu den Orten des Geschehens, um sich selbst ein Bild zu machen. Sie nutzen ihre Quellen – und sie hinterfragen, was sie sehen und was sie hören.

Viele Kollegen arbeiten jetzt im Homeoffice

Auch das ist ein schwieriges Geschäft. Oft stehen unsere Kollegen vor Gerüchten, die zu verifizieren sind. Spekulationen, Vorwürfe und Ängste wabern durch Twitter und Facebook. Wie trennen wir Wahren und Wichtiges von Unwahrem und Halbwahren, von Unnötigem und Unsinnigen? Für uns Journalisten ist das gelerntes Handwerk, natürlich. Dass dabei auch mal Fehler unterlaufen, bleibt nicht aus. Wir freuen uns, wenn wir auf sie hingewiesen werden und korrigieren, wo nötig, transparent. Wir wissen, dass das Vertrauen unserer Leserinnen und Leser unser wichtigstes Pfund ist, gerade in Zeiten wie diesen.  

Seit kurzem ist es leerer geworden in unseren Redaktionen. Wir haben hier in Kempten und in unseren Lokalredaktionen viele Kolleginnen und Kollegen ins Homeoffice geschickt, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Wir haben zusätzliche Laptops angeschafft, um ihnen die mobile Arbeit zu erleichtern. Wir erstellen Notfallpläne, falls wir Redaktionen in Quarantäne schicken müssen. Wir haben unser Betriebsrestaurant in Kempten für externe Gäste geschlossen und bitten Menschen, die ein Anliegen an die Redaktionen haben, nicht mehr persönlich zu kommen, sondern uns anzurufen oder eine Mail zu senden.

Parallel zu den Pandemie-Planungen um uns herum machen wir weiter unseren Job als Redakteurinnen und Redakteure. Noch mehr: Wir in der Allgäuer Zeitung haben unsere  Berichterstattung in den vergangenen Tagen deutlich ausgeweitet. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht recherchieren und informieren wir über die Corona-Krise und ihre Folgen, um Sie auf dem Laufenden zu halten. Nachrichtlich, seriös und aktuell.

Das ist unser Anspruch. Und wird es auch in dieser Krise immer bleiben.